Auf dem Holzweg

Neulich hatte ich mal wieder Lust auf ein Brot aus dem selbstgebauten Backrahmen. Und ich hatte Lust auf Weinheimer Möhrenbrot. Das wird normalerweise in zwei Laiben freigeschoben gebacken. Das wollte ich dieses Mal anders machen.

Nun habe ich hier ja schon des öfteren mal auch von meinen Backunfällen berichtet – ständig nur Eigenlob hält ja keiner aus. Dazu gab es dann auch prompt mal wieder Anlass.

Eigentlich ein schöne Scheibe Brot – wenn da nicht die merkwürdige Form wäre.

Die Teigherstellung war kein Problem. Alles wie immer. Aber als ich den Backrahmen noch gut zwei Dritteln der geplanten Backzeit entfernt habe, um dem Brot dann noch etwas mehr direkte Hitze zu gönnen, verlor der große Laib die Haltung und sackte in sich zusammen.

Ich auch – bei dem jämmerlichen Anblick.

Zu retten war da nicht mehr viel. Mir blieb nur, das Brot so wie es war zu Ende zu backen, die Pilzform zur Deko zu erklären und es solange im Ofen zu belassen, bis der Klopftest sagte: Nun isses gut.

Natürlich stand der Fehler mal wieder vor dem Ofen. Ich hatte einfach nicht bedacht, dass natürlich viel länger beim Schwaden mit hoher Temperatur angebacken werden muss. Und dass natürlich auch die Restbackzeit bei reduzierter Hitze ordentlich verlängert werden muss. Schließlich muss die Hitze durch das dicke Holz. Und das leitet nun mal nicht so gut wie eine Stahlform.

Geschmeckt hat dieses wunderbare Brot trotzdem. Allerdings werde ich das Möhrenbrot nächstes Mal wohl wieder freigeschoben backen.

Aus purem Trotz habe ich jedoch gleich das nächste Brot auch wieder der Holzform überantwortet. Wäre ja gelacht..!

Als Rezept habe ich ein Kosakenbrot von Valesa ausgewählt, das praktischerweise schon für die Holzform gemacht war und bei dem die Backzeiten schon angepasst waren.

Dieses Brot – genauer gesagt waren es zwei im selben Rahmen – entwickelte den heftigsten Ofentrieb, den ich je erlebt habe. Es stieg nach der unspektakulären Stückgare im Ofen unaufhörlich in die Höhe, fast bis zum Rand meines nicht eben niedrigen Backrahmens. Der helle Wahnsinn.[1]Die Reifezeit des Sauerteigs sollte laut Rezept 24 Stunden betragen. Ich habe sie wegen meines gut erzogenen Anstellguts auf 18 Stunden verringert. Hat aber, wie man sieht, immer noch locker … Continue reading

Jetzt esse ich die größten Scheiben, die ich je produziert habe. Das Brot ist lecker, aber eher hell sowie geschmacklich und vom Aussehen her nicht so weit von meinem gewohnten Lippischen Landbrot entfernt. Und das ist immer noch einer unserer Top-Favoriten. Da werden die Lippischen Schützen die Kosaken wahrscheinlich wieder zum Rückzug zwingen.

Trotzdem war es gut, nach der Panne mit dem Backrahmen ein Erfolgserlebnis gehabt zu haben.

Anmerkungen

Anmerkungen
1 Die Reifezeit des Sauerteigs sollte laut Rezept 24 Stunden betragen. Ich habe sie wegen meines gut erzogenen Anstellguts auf 18 Stunden verringert. Hat aber, wie man sieht, immer noch locker gereicht. 🙂

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